11.11.2012

[5]

lie to me
give me something worth living for
tell me a reason worth fighting for
give me anything, anything to keep me breathing

Die Schuldgefühle kommen, schlagen sich wie riesige Wellen in meinen Kopf, legen mich flach. Ich hasse es, wenn andere Menschen traurig sind. Und noch mehr, wenn ich daran Schuld habe. Ich fresse mich voll, immer weiter, immer mehr stopfe ich in mich hinein, es schmeckt nicht, es ist ekelhaft, ekelhaft süß, aber ich esse weiter. Mir wird schlecht, ich esse weiter. Ich esse weiter. Und esse weiter. Und weiter. Ich bekomme das Gefühl, dass ich mir selbst beweisen will, dass ich immer noch normal esse. Kein Problem entwickle.
Ich fühle mich, als wäre ich in einer Kiste unter Wasser. Die Wassermassen stellen eine große, schwere Dunkelheit da, verursacht durch die Masse des einen Problemes. Essen. Aussehen. Sexy sein. Wäre mir dieser Bereich nur von zwei, drei Leuten zu Ohren gekommen, wäre das alles jetzt nicht eine Masse, es wären Wassertropfen, die ich leicht wegwischen könnte, wenn sie nicht schon vorher von selbst verdunstet sind. Doch so scheinen die Wände der Kiste nach innen gedellt, jeden Moment wie vor der Zerstörung. Der Druck ist spürbar, als hätte ich zu wenig Platz in meiner Kiste. Selbst wenn ich mich ausbreite habe ich das Gefühl, ich werde bald erdrückt, sobald dieses „Problem“ wieder in meinem Kopf anwesend ist, sobald ich auch nur kurzzeitig daran gedacht habe, und daran, was passieren könnte, wenn meine Kiste zerschellt, zerdrückt wird, wenn das Wasser seinen Bahn durch die Lücken im Holz gefunden hat, wenn die Luft nach und nach immer weniger wird … Ich finde meinen Weg aus diesem Ozean nicht, jedes Mal, wenn ich denke, ich habe einen Schlupfwinkel gefunden, als wäre ich wieder an der Oberfläche, fängt es an zu regnen, es regnet Worte, Gefühle, Gedanken, und alle zu diesem einen Thema, dass langsam heraussticht, das eine Thema, das ich inzwischen überall zu sehen scheine ... Das Holz meiner Kiste saugt sich voller und voller und zieht mich wieder nach unten, zurück in die Dunkelheit ...

"Boah, meine Oberschenkel sind einfach zu fett! :'D ". Sofort will ich sie dafür schlagen, dafür, dass sie MIR gegenüber so etwas sagt. Sie beschwert sich, dass wir sie fertig machen, immer wieder, und ihr Vorwürfe machen, aber stattdessen ihr etwas mehr Aufmerksamkeit schenken sollten. Sie verlangt Toleranz, die sie selbst nie aufzubringen fähig war. Was erwartest du von mir?, will ich sie anschreien. Wie ein Flugzeug in ein Haus fliegt und eben jenes wie ein Kartenhaus zusammenstürzen lässt; genauso bohrt sich ein Bild in meinem Kopf, ein Bild, in dem ich sie bewusstlos schlage, sie mit meinem eigenen Blut vollschmiere und sie anschreie; und es erschüttert mich. Ich weiß, dass ich nicht so denken darf. Ich weiß, dass ich nicht so denken WILL! Ich weiß, dass ich meine Wut nicht unbegründet an anderen auslassen sollte. Und deswegen, deswegen will ich die Schmerzen verspüren, die ich anderen beinahe angetan hätte. Aber auch das will ich nicht. Ich bin es satt, nicht gegen meine selbstzerstörerischen Gedanken anzukommen. Ich zerstöre mich selbst, langsam aber sicher entfalle ich mir, und damit allen ...